»Du musst deine Katze müde spielen« – oder?

Müde gespielt, aber nicht entspannt – was dahintersteckt

Musst du deine Katze müde spielen?

Inhaltsverzeichnis

Heute möchte ich dir von einem ganz häufigen Missverständnis erzählen – einem, das auf den ersten Blick ziemlich logisch klingt und mir in Beratungen, Kommentaren und gut gemeinten Tipps immer wieder begegnet:

»Du musst deine Katze einfach müde spielen.«

Ganz besonders dann, wenn eine Katze aus unserer Sicht zu „Dummheiten“ neigt: Sofakratzen. Harnmarkieren. Mitkatzen überfallen. Unruhe, etc.

(Und ja – Dummheiten natürlich aus unserer Sicht. Aus Sicht der Katze ist das alles weder frech noch falsch, sondern ganz normales Verhalten.)

Das Problem: Dieses Müde-Spielen geht erstaunlich oft schief.

Vielleicht werden gewisse Verhaltensweisen anfangs tatsächlich weniger.
Dafür tauchen plötzlich neue auf – oder die Katze wirkt nervöser, aufgedrehter oder schwerer erreichbar als zuvor.

Was bedeutet »müde« eigentlich?

Lass uns kurz einen Schritt zurückgehen. Denn die entscheidende Frage ist nicht wie lange, sondern wie.

Überlege einmal, wie sich Müde-Sein für dich selbst anfühlen kann:

  • Da gibt es ein Müde, das sich angenehm erschöpft anfühlt –
    zum Beispiel nach einem erfüllten, vielseitigen Tag.
  • Dann gibt es ein Müde, bei dem man sich total ausgelaugt fühlt –
    etwa nach einer extremen, unvorbereiteten Belastung.
  • Und dann gibt es dieses Müde, bei dem man gar nicht zur Ruhe kommt – man ist überdreht, aufgekratzt, innerlich auf Standby.
    (Das sieht man oft bei Kindern, die zu lange wach geblieben sind.)

Und genau hier liegt der Knackpunkt.

Welches »Müde« wünschen wir uns für unsere Katze?

👉 Natürlich das erste: Angenehm erschöpft. 

Was dafür nicht funktioniert

Angenehme Erschöpfung entsteht nicht, indem …

  • du deine Katze 30 Minuten quer durch die Wohnung jagst
  • du sie 30 Minuten am Stück mit Clickertraining forderst
  • oder ihr punktuell 5 Minuten Action gibst und dann wieder abtauchst

 

All das kann zwar Bewegung bringen – aber nicht zwingend Ausgleich.

Was Katzen wirklich hilft, zur Ruhe zu kommen

Das ideale Gesamtprogramm für zufriedene Katzen

Damit eine Katze zufrieden müde wird, braucht ihr Beschäftigungsprogramm mehr als reine Action.. Artgerecht sind Jagdspiele, die sich an einer echten Jagdabfolge orientieren:

Beobachten – Anschleichen – Lauern – Anspringen – Fangen – Fressen

Gerade der letzte Punkt wird im Alltag häufig unterschätzt. Dabei ist Fressen kein Nebenschritt, sondern hilft, den Kreislauf zu schliessen und wieder zur Ruhe zu kommen – eine Mini-Portion Futter reicht dafür völlig. 

Aber eine Katze wird nicht dadurch ausgeglichen, dass man eine Sache intensiv macht – sondern dadurch, dass mehrere passende Bausteine zusammenspielen.

Zu einem stimmigen Gesamtprogramm gehören zum Beispiel:

  • Bewegung & Jagdspiele, die Erfolg ermöglichen
  • Mentale Auslastung, etwa durch kurzes, gut dosiertes Clickertraining
  • Activity Feeding, bei dem Futter erarbeitet werden darf
  • Beobachtungsposten & Rückzugsorte, an denen die Katze einfach Katze sein kann
  • Soziale Interaktion, die sich an den Vorlieben der Katze orientiert

Nicht alles davon braucht es jeden Tag. Aber im Zusammenspiel sorgen diese Elemente dafür, dass sich Aktivität und Ruhe die Waage halten – und genau das führt zu dieser angenehmen Erschöpfung, die wir uns wünschen.

Warum reine Hetzspiele problematisch sein können

Was passiert, wenn eine Katze ständig Dingen hinterherjagt, die sie kaum oder nie „erfolgreich“ fangen kann? Zum Beispiel bei Laserpointern, Katzenangeln oder Spielzeugen wie dem Catdancer?

Ja – das kann Spass machen. Aber es pusht auch die Erregung hoch.

Der Körper schüttet Stress- und Aktivierungshormone wie Adrenalin aus.
Und genau diese Hormone müssen danach wieder abgebaut werden – unter anderem durch Fressen und Ruhe.

Passiert das nicht, bleibt die Katze innerlich im Action-Modus. Und genau dann steigt die Wahrscheinlichkeit für Verhaltensweisen, die wir als „Dummheiten“ wahrnehmen.

Fazit: Nicht müde machen – sondern sinnvoll auslasten

  • „Müde spielen“ ist kein Ziel an sich.
  • Nicht die Dauer entscheidet, sondern die Qualität der Beschäftigung.
  • Reine Hetzspiele können Erregung verstärken, statt sie abzubauen.
  • Katzen brauchen ein rundes Gesamtprogramm, kein einzelnes Ventil.

 

🐾 Nicht müde spielen – sondern sinnvoll auslasten. 

Und zwar so, dass es zur Persönlichkeit deiner Katze passt. 

Und so, dass Körper, Kopf und Nervensystem wieder zur Ruhe kommen dürfen.

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Katzenpsychologie Brigitte Richner
Brigitte Richner
zert. Katzenpsychologin.
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